Erlebnisse aus dem Taubenschutz



29. Mai 2020
Seit Tagen hält uns eine unsachgemäße Vergrämung in Herten auf Trab....
Am 24.05. entdeckte eines unserer Mitglieder, dass in der Hertener Innenstadt ein Vergrämungsnetz beschädigt war, und Tauben anscheinend in den Hof kamen, aber nicht wieder heraus. Unverzüglich haben wir das Veterinäramt und das Ordnungsamt mit Fotos per Email informiert und selbstverständlich direkt hinterher telefoniert. Das Ordnungsamt wollte damit nichts zu tun haben und wimmelte uns unsachlich und unfreundlich ab, das Veterinäramt hingegen wurde sofort tätig.
Eine sehr liebe Amtstierärztin war vor Ort, schaute sich alles an, nahm Kontakt zu den beiden Hauseigentümern auf und sicherte ein Küken, welches auf mehreren Taubenkadavern saß, wir haben das Kleine Nanni getauft. Das Veterinäramt verfügte, dass die Netze unverzüglich geöffnet werden sollten, nur leider passierte bis zum nächsten Morgen nichts. Einige Ausreden und Telefonate zwischen uns und dem Veterinäramt später, folgte einer der Eigentümer der Auflage endlich.
Wir haben dem Veterinäramt und den Eigentümern unsere Unterstützung angeboten, die Tiere tierschutzgerecht aus dem Hof zu bringen, damit eine sachgemäße Vergrämung erfolgen kann. Die verbliebenen Küken sollen in Ruhe flügge werden, vorhanden Eier wurden heute das erste Mal ausgetauscht. Wie Ihr auf den Bildern sehen könnt, sind die da brütenden Tauben allerdings das kleinste Problem in dieser Nachbarschaft... Ich glaube mehr braucht man dazu nicht sagen!



Die Anwohner dort schauen aus den Fenstern nicht nur auf diese Müllberge, sondern auch auf die Taubenkadaver in den Netzen und den Spikes, und anscheinend stört sich kaum jemand dort an dem Anblick, zumindest kam bisher niemand auf die Idee, etwas dagegen zu unternehmen... Zumindest haben Martel und Sarah heute den ersten Schritt gemacht, um weiteres Tauben-Elend zu verhindern. Sieben Eier konnten getauscht werden.
Nanni hatte Glück im Unglück.... Statt allein auf Kadavern und Müll mit Essensresten aufzuwachsen, hat es auf der Pflegestelle ein etwa gleichaltriges Geschwisterchen bekommen. Hanni haben wir von einer Tierklinik übernommen, ihr Bein ist leider nicht ok, aber wir bekommen das hoffentlich hin. Die Beiden waren sofort ein Herz und eine Seele, kuscheln den ganzen Tag und rufen sich sofort, wenn man ein Küki aus dem Nest nimmt. Zu zweit lässt es sich doch viel schöner aufwachsen.

Unser zweites Problem in Herten ist, dass sämtliche Wasserquellen für die Stadttiere bisher ausgestellt sind. Eine Nachfrage bei der Stadt, warum der Antoniusbrunnen bisher aus ist, ergab (eine Woche nach der Anfrage), dass der Brunnen defekt sei. Die Antwort, was mit dem zweiten Brunnen und den Wasserspielen ist, steht bisher aus.....




01. Februar 2020
Trauriges Update: Piepsi hat leider völlig unerwartet aufgegeben. Wir haben eigentlich gehofft, dass das Blut aus der Kloake von einer Verletzung an der Kloake selbst stammt, anscheinend waren es wohl leider doch innere Verletzungen. Fly free Piepsi...

Piepsis Geschichte
Am Mittwoch gegen Abend erhielt ein Mitglied privat eine Nachricht, dass in der Stadt eine flugunfähige Taube sei. Schnell mit Transportbox hin, alles mit Taschenlampe abgesucht, es war jedoch kein Täubchen auffindbar. Dann sprach mich jemand an, dass ein Mann dass Tier kurz zuvor gesichert hätte. Etwa zehn Minuten später war dann der entsprechende Anruf auf unserer Sprachbox. Das Täubchen hatte der Finder mit zu seiner Arbeit, der Kinderklinik genommen. Er hatte mit Kindern einen Ausflug in die Stadt gemacht und hatte das arme Tier nicht da sitzen lassen können. Durch das beherzte Sichern hat er Piepsis Leben gerettet!
In der Kinderklinik saß Piepsi eingewickelt in einen Schal. Einige Kinder begleiteten Piepsi mit zur Tür. Den Namen haben die Kinder ausgewählt. Ein Greifvogel hat ihn ziemlich doll erwischt. Sämtliche Schwanzfedern fehlen, eine große Wunde am Bauch, blutige Kloake, zum Glück nichts gebrochen, stellte der Tierarzt fest. Nun wird die Wunde tgl. versorgt, Schmerzmittel und Antibiotikum gegeben. Es wird eine Weile dauern, bis die Federn wieder nachgewachsen sind, aber dann kann Piepsi wieder nach Hause. Bis dahin hat er hier ein warmes Plätzchen.






Charly
Der kleine „Charly“ wurde uns am 10.11.2018 von Freunden eines Mitgliedes gemeldet. Er lag in einer Blutlache auf dem Rücken in deren Einfahrt in Herten. Glücklicherweise haben sie das Tier sofort gesichert und in eine weich gepolsterte Box gesetzt. Schnell war klar, neben der blutenden Wunde hatte das Täubchen weitere Probleme. Er konnte sein Gleichgewicht nicht halten, kippte immer um und blieb liegen.

 

 

 

Als Charly bei uns ankam, hörte die Wunde bereits von selbst auf zu bluten, trotzdem ging es sofort zum Tierarzt. Nach dem Röntgen war klar, gebrochen ist nichts, aber Charly wurde angeschossen – zum Glück ein glatter Durchschuss, bei dem, wie durch ein Wunder, keine Knochen und keine Organe verletzt wurden. Allerdings waren einige Nerven kaputt, sodass Charly quasi gelähmt war, er hatte keine Kontrolle über seine Beine und konnte anfangs nur liegen.

 

 

 

Durch viel Physiotherapie mittels einer extra für ihn angefertigten Hängematte lernte Charly nach und nach wieder das Stehen und Laufen. Mittlerweile macht er sogar wieder Flugübungen, was wir nie für möglich gehalten hätten. Draußen auf der Straße hätte er keine Überlebenschancen, da er immer leicht eingeschränkt bleiben wird, daher ist Charly ein Bewohner der Villa Kunterbunt.
Es ist unfassbar, was dieses kleine Wesen in den ersten Monaten seines Lebens schon durchmachen musste. Er konnte am Fundtag zwar schon fliegen und sah aus wie eine fertige Taube, tatsächlich hat er aber noch gefiept wie ein Baby, er war also noch ein Kind, als man ihm das antat. Charly hat mit seiner neu gewonnenen Bewegungsfreiheit, einem richtigen Zuhause und seinem hübschen Gretchen sein Glück bei uns gefunden – er hat es absolut verdient.

 




Krümel
Der kleine „Krümel“ wurde mit einer großen Verletzung am Kopf im Stadttaubenschwarm gesehen und natürlich schnellstmöglich gesichert. Nach der Sicherung war schnell klar, dass er wahrscheinlich unter ein Auto o.ä. kam und damit noch viel Glück bei seinem Unfall hatte.
Am Kopf war er skalpiert, der Knochen lag frei und am rechten Flügel fehlten viele Federn. Die Wunde konnte leider nicht sofort genäht werden, da sie einfach zu groß war. Über mehr als zwei Wochen musste die Wunde mehrfach täglich mit einer speziellen Salbe versorgt werden, damit sie nicht austrocknet und die Haut wurde gedehnt.

Nach seiner OP war der kleine Krümel jedoch noch nicht erlöst. Auch die frisch genähte Wunde musste lange Zeit täglich gecremt werden und die Federn mussten nachwachsen. Mit einem kahlen Kopf konnte er im Winter nicht wieder auf die Straße.


 

Insgesamt hatte Krümel drei Monate lang Vollpension gebucht und war bei seiner Entlassung sichtlich irritiert, dass er wirklich wieder in die Stadt zurück soll. Eigentlich waren wir darauf vorbereitet, dass er es gar nicht erwarten kann, endlich wieder seine Runden zu fliegen und seinen Schwarm zu sehen, tatsächlich saß er aber in der Transportbox und weigerte sich diese zu verlassen.
Wir waren lange Zeit sehr traurig, weil wir ihn mehr als zwei Monate nach seiner Entlassung nicht mehr gesehen haben und gingen schon davon aus, dass er es nicht mehr geschafft hat, auf der Straße zu überleben. Eines Tages saß er jedoch wieder auf dem Marktplatz und freute sich über eine Hand voll Körner J Durch die Narbe am Kopf ist er für uns auch zwischen 100 anderen Tauben leicht zu erkennen J

 




Flurry
Die kleine Flurry wurde wegen schlimmen Verschnürungen auf dem Marktplatz eingefangen. Bei der näheren Untersuchung stellten wir fest, dass sie nicht einfach nur Verschnürungen hatte, sondern ein Loch im Fuß, welches wahrscheinlich durch das Landen auf einem der Spikes (Taubenabwehrmaßnahme) entstand. Zusätzlich wurde durch die heftige Verschnürung ein Zeh gebrochen, der schief unter dem Fuß wieder zusammengewachsen ist und dauerhafte Schmerzen beim Laufen verursachte. Die Fäden hatten sich schon tief in die Haut geschnitten und waren teilweise verwachsen.


Flurry bekam als erstes eine hohe Dosis Schmerzmittel und wurde ins Fußbad gesetzt, damit die Fäden sich besser lösen ließen. Dann wurde über eine Antibiotikabehandlung die Entzündung im Fuß behandelt, damit das Täubchen OP-fähig wurde. Erst nachdem sie entzündungsfrei war, konnte der Zeh in einer längeren OP nochmals gebrochen und durch eine Schiene wieder in die richtige Position gebracht werden.

Die gesamte Behandlung dauerte einige Wochen und da Flurry auch nach so langer Zeit noch ein sehr scheues Täubchen war und der Fuß auch danach nicht wirklich für kilometerweite Fußmärsche in der Stadt ausgelegt war, zog sie in eine über 100m² große Voliere bei einer lieben Taubenfreundin. Leider war Flurry dort sehr unglücklich, sie vermisste ihren Schwarm und ihre Freiheit, sodass sie nach einigen Wochen wieder in der Dattelner Innenstadt entlassen wurde. Wir sehen sie regelmäßig auf dem Marktplatz und sie scheint widererwarten sehr gut mit dem Fuß klarzukommen.




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